Windmagie - Menea Unthar

(Menea Unthar)

Bei der Windmagie handelt es sich um eine Art der Beschwörungs- oder Anrufungsmagie. Um einen Zauber zu wirken, werden einer oder zwei der vier Hauptwinde angerufen, je nach der Wesenheit des Windes und dem Ziel, das der Zauber haben soll.
Unterstützt von den Kräften der Winde wirkt der Magier, indem er ihnen Anweisungen gibt. In der gebräuchlichsten und auch einfachsten Form sind die Anweisungen schon in den Anrufungsformeln enthalten. Der Vorteil liegt auf der Hand: die Gefahr, dass etwas aus den Bahnen gerät, ist durch fixe Formeln geringer, allerdings ist unter anderem der Zeitaufwand auch höher und das Wirken weniger flexibel, soll heißen, dass wenn man etwas wirken will, das nicht in der Formel enthalten ist, muss man die ganze Prozedur noch einmal von Vorne beginnen.
Anfänger in dieser Kunst müssen eben auf diese langwierigen Formeln zurückgreifen, um zu verhindern, dass ihnen etwas außer Kontrolle gerät.
Sollte dennoch etwas geschehen, besteht die letzte Möglichkeit, den Gegenwind anzurufen, da jeweils Süd- und Nord-, Ost- und Westwind ihre Wirkung zu schwächen, oder gar zu neutralisieren vermögen.
Erfahrene Windmagier vermögen den Winden recht spontan zu befehligen, ihnen sind die richtigen Worte und Gesten bereits sozusagen ins Blut übergegangen, bei manchen heißt es sogar, sie wären eng mit den Winden selbst verbunden, und könnten sie nutzen wie andere das Mana.

Die Schwachstelle der Windmagie ist allerdings, dass es in keinem Fall möglich ist, beständige Dinge mit Hilfe der Winde zu schaffen, oder sie zu etwas zu machen, dass dem Element widerspricht, Essen oder Steine zum Beispiel.
So kann ich nicht willkürlich von einem der Winde fordern, einen steinernen Wall zu erschaffen. Täte ich dieses, würde der Wind mir seine Hilfe versagen, oder sich sogar gegen mich wenden.
Allerdings gibt es andere Methoden, um die gleiche Wirkung zu erzielen, und hier kommt es auf die Kreativität des wirkenden Magiers an. Bevor ich jedoch näher auf die Art und Weise des Wirkens eingehe, werde ich zunächst genauer auf die einzelnen Winde eingehen.
Was ihre Definition angeht, so kann die Vermutung angestellt werden, dass es sich bei ihnen um höhere Elementare handelt, allerdings werden sie in der Windmagie eher als mythologische Wesen betrachtet. Oft werden sie als Pferde, seltener als humanoide Wesen dargestellt.
Jeder der Winde besitzt einen eigenen Namen, und mehrere Beinahmen. Dies ist Wichtig für die Formeln, um die Winde direkt rufen zu können und sie auf die benötigten Eigenschaften anzusprechen. Allerdings würde es den Rahmen dieses Vortrages sprengen, alle der Beinamen aufzuzählen, so erwähne ich pro Wind nur zwei.

Kavendre - der Nordwind

Beinamen: Der Eisige, der Reine
Verwendet wird dieser Wind oft für aggressive Handlungen, so zum Beispiel das Zurücktreiben eines Gegners durch einen heftigen Sturm, oder die Vereisung eines Ziels, um es erstarren zu lassen.
Im Bezug auf die Heilkunst kann er helfen, Schmerzen zu lindern oder Wunden sogar von Gift zu reinigen.

Vaelthe - der Südwind

Beinamen: Der Feurige, der Quälende
Wie diese beiden Beinamen vielleicht schon ahnen lassen, wird dieser Wind gern für Feuer- oder Hitzezauber verwendet. Jedoch wird keiner der Winde nur für aggressive Handlungen verwendet, und so hilft dieser Wind in der Heilkunst, von starker Kälte verursachte Wunden zu heilen. Vor allem aber wird dieser Wind genutzt, um großflächige Illusionen schaffen zu können.

Thenun - der Ostwind

Beinamen: der Starke, der Stürmische
Da Windmagie auch viel mit der Beeinflussung des Wetters zu tun hat, wird dieser Wind häufig dazu genutzt, Regen zu rufen. Seine Hauptmerkmale sind die hohe Wasserhaltigkeit, und die bereits erwähnte Stärke, die ihn vor allen anderen Winden auszeichnet.
Er muss jedoch nicht immer zu der Stärke eines Sturmes heranwachsen, sondern kann ebenso als leichte erfrischende Brise gerufen werden.
In der Heilmagie wird ihm kaum ein Part zuteil.

Namaé - der Westwind

Beinamen: Der Sanfte, der Lebendige
Während in den Legenden über die Winde von Kavendre, Vaelthe und Thenun immer als männliche Wesen gesprochen wird, stellt Namaé ihre kleine Schwester dar, wohl um die Fruchtbarkeit und die Sanftheit, die diesen Wind auszeichnen, darzustellen.
Hauptsächlich wird dieser Wind für Heil-, Erfrischungs- und Schutzzauber verwendet.

Das Wirken der Windmagie

Kommen wir nun auf das Beispiel eines schützenden Walls zurück. Zunächst ist es wichtig, zu wissen, welchen Wind man gebrauchen will. Für meinen Zweck könnte ich zwei der beiden gut verwenden, und zwar Kavendre und Thenun.
Thenun besitzt in diesem Fall jedoch eine Eigenschaft, die sich in diesem Fall sowohl als positiv als auch negativ auf das gewünschte Ergebnis auswirken könnte: Seine Stärke. Diese würde die Beständigkeit des Walls, der aus einem auf der Stelle verharrenden Windwirbel bestehen soll, unterstützen, es allerdings auch schwieriger machen, ihn auf der Stelle zu halten, da Thenun in diesem Fall darauf drängen würde, vom Fleck zu kommen. Kavendre lässt sich in diesem Bezug leichter handhaben, zudem er eine zweite Eigenschaft besitzt, die sich für dieses Vorhaben nutzen lässt: Die Kälte, die stark genug sein kann um Leute zum erstarren zu bringen, sie sozusagen "einzueisen".

Ich rufe ihn also mit dem ersten Teil der Formel an.

Über Eis und Schnee hinweg,
über die Berge und durch die starrende Welt
tragend die Kälte, treibend das Eis,
Kavendre, ich rufe dich!

Ich spreche den Wind über seine Herkunft an, die auch gleichzeitig eng mit seinen Haupteigenschaften zusammenhängt.
Im zweiten Teil meiner Formel spreche ich das an, was ich bezwecken möchte:

Formend einen frostigen Wall,
der ängstliche fernhält und die Nahenden erstarrt
haltend ihr Gebein am selben Platze
Wie auch du stürmend am Platze verharren sollst
Eisiger, ich brauche dich.

Wichtig ist dass der zweite Vers möglichst klar formuliert, was ich erreichen will, und vor allem dass das geforderte nicht den Eigenschaften des Windes widerspricht. Ich könnte zum Beispiel nie vom Nordwind verlangen, Hitze zu bringen, da es nicht in seinem Wesen liegt. Was dabei geschehen könnte, ist von der Macht, mit der ich den Winden meinen Willen aufzuzwingen vermag, abhängig. Je stärker diese Macht ist, desto eher werde ich es schaffen, dem Wind diese fremde Eigenschaft aufzupressen, und ihn damit zu entfremden. Allerdings sollte man dies vermeiden, denn in diesem Fall würde mich der Wind sich gegen mich wenden und mich schier zerreißen, sollte es mir nicht gelingen schnell genug insoweit Herr über seine Kraft zu werden, dass ich sie zu einem starken Sturm oder ähnlichen umlenken kann.
In der letzten Formel, die relativ frei gewählt werden kann, verabschiedet man den Wind. Diese ist wichtig, um die Dauer des Zaubers zu beenden, da Wind, oder seine Wirkung sich viel langsamer als Mana verflüchtigt.

Vollbracht ist, was getan sein sollte,
so gehe nun hinweg,
zurück zu den eisigen Steppen
zurück in die starrende Welt.
Kavendre - heim sende ich dich.

Unter manchen Windmagiern ist es gebräuchlich, dem Wind eine Gabe als Dank zu lassen. Hierbei kann es sich zum Beispiel um einige Tropfen Blut handeln. Wichtig dabei ist nicht die Gabe an sich sondern dass man die Hilfe der Winde nicht als Selbstverständlichkeit ansieht, da sie, wie schon erwähnt als mythologische Wesen betrachtet werden, deren Unbill man auch auf sich ziehen könnte.