Intraplanare Reisen - Malikae Simali

(Malikae Simalin)

Danksagung:

Bedanken möchte ich mich sehr bei seiner Spektabilität, Arcomagus Allasiel, der mir bei meinen Forschungen bezüglich der Mondtore half. Ebenso danke ich einem zwergischen Geologen, der mir bei Untersuchungen an einem Fokusstein half. Er möchte nicht namentlich erwähnt werden.

Vorwort:

Dieser Forschungsbericht entstand in Verbindung mit einem Vortrag, den ich an der Akademie der arkanen Künste zu Pantagruel hielt.
Das im Folgenden behandelte Thema, die intraplanare Reise, beschäftigt mich nun schon einige Monate. Ich möchte meine diesbezüglichen Studien hiermit nicht abschliessen, sondern diese Arbeit eher als Zwischenbericht betrachten. Einige Bereiche meiner Forschungen kann ich erst abschliessen, wenn meine Ausbildung hier beendet ist und ich zum Magier ernannt worden bin, da es mir bis dahin nur möglich ist, einige der Formeln in der Theorie zu untersuchen. Daher soll diese Arbeit auch zugleich als Abschlussprüfung gelten.

Gliederung:

Zunächst werde ich in einer Einleitung die Begrifflichkeiten erläutern und an das Thema heranführen.

Anschliessend werde ich verschiedene Formen der magischen Bewegung aufzeigen, sowie Unterschiede und Gemeinsamkeiten gegenüberstellen.

Im folgenden Abschnitt sei den magischen Mondtoren besondere Aufmerksamkeit entgegengebracht.

Abschliessend werde ich eine Zusammenfassung bringen.
Im Anhang ist eine Liste der Literatur zu finden.

Einleitung:

Anlass meiner Forschungen war, dass ich Reisen per Schiff oder Kutsche in der Regel für eher unbequem und nicht standesgemäss hielt. Ich habe mich daher der anderen Möglichkeiten, eben den magischen, angenommen und ihre Zweckmässigkeit näher untersucht.

Wir unterscheiden grob zwischen zwei verschiedenen Arten der magischen Bewegung, besonders was die Ausmasse angeht. Auf der einen Seite die interplanare Reise: "inter" meint "zwischen", somit ist die interplanare Reise die Bewegung zwischen den Ebenen. Im Gegensatz dazu die intraplanare Reise. "Intra" meint innerhalb, also ist die intraplanare Reise die Bewegung innerhalb ein und derselben Ebene. In meiner Arbeit beschäftige ich mich nur mit der zuletztgenannten Form der magischen Bewegung. Wer sich näher mit dem Gebiet der Reise in andere Dimensionen beschäftigen möchte, dem sei Daedalus Werk "Über Reisen in fremde Dimension" in zwei Bänden [siehe Anhang ->1] zumindest als Einstieg nahegelegt.

Zu den klassischen Formen der Bewegungsmagie zählen die Sprüche "Rel Por" und "Vas Rel Por" aus dem Bereich der Spruchmagie. Weiterhin gibt es noch die seltsamen Mondtore, die überall im Lande verstreut sind. Auf diese besonderen Einrichtungen werde ich im weiteren Verlauf der Arbeit noch gesondert zu sprechen kommen, wenden wir uns zunächst jedoch den beiden klassischen Methoden zu.

Abschnitt I: Anwendungen aus dem Bereich der Spruchmagie:

Auf der einen Seite gibt es also den "Rel Por". Er erlaubt uns eine magische Bewegung von einem Orte zum anderen, solange Sichtkontakt zum Ziel besteht. Interessant hierbei ist, dass er in der Regel scheitert, wenn die Bewegung über eine grössere Wasserfläche erfolgen soll, hierbei stören sich offenbar die magischen Ströme des Zaubers und eine Kraft, die vom Wasser auszugehen scheint. Das Element Wasser wird ja häufig auch als recht launisch beschrieben, doch geht dies nun zu weit in das Fachgebiet der Elementaristen. Interessenten sei hier das "Buch des Wassers" [siehe Anhang ->2] von Fui Nuri ans Herz gelegt.
Zu der Wirkungsweise von Bewegungsmagie gibt es die "Van Grolksche Reisetheorie" [siehe Anhang ->3] von Revil van Grolk. Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei seiner Arbeit um eine Theorie handelt, in der er bereits Fehler entdeckt hat. Der Vollständigkeit halber will ich die Theorie hier aber dennoch vorstellen:
Hiernach wird der Raum, in dem wir uns bewegen, von zwei weiteren Ebenen überlagert, der Ebene, in der magische Energie fliesst und der Ebene, die die Seelen aller Lebewesen umgibt. Nach van Grolk versetzt nun die Bewegungsmagie den Körper eines Wesens in die zweite Ebene und verformt diese dann, vergleichbar mit einem Tuch, welches man faltet. Die magische Bewegung erfolgt dann nicht über die weite Oberfläche des Tuches, sondern wie mit einer Nadel durch - in unserem Beispiel das Tuch - hindurch. Die Seele legt in der dritten Ebene den Weg zur neuen Position des Körpers sehr schnell zurück. Diesen Vorgang nennt van Grolk Seelenwanderung.

Betrachten wir den "Rel Por" mal etwas genauer: "Rel" steht für Wechsel oder wechseln, "Por" für Bewegung. Die Formel vereint also zum einen den Wechsel des Ortes, zum anderen die Bewegung des Zaubernden. Da es sich hier also tatsächlich um eine direkte Bewegung durch den Astralraum handelt, scheint auch geklärt, warum zum einen der Zauber nur bei Sichtkontakt gelingt und zum anderen die Bewegung nicht durch Hindernisse hindurch erfolgen kann. Da der Zaubernde während seiner Bewegung die Richtung nicht mehr ändern kann, muss das Ziel also schon vorher festlegen.
Der Vollständigkeit halber sei noch angemerkt, dass für den Zauber Blutmoos als Komponente für die schnelle Bewegung und eine Alraune als Energiefokus benötigt werden.

Kommen wir zur Zweiten Möglichkeit, sich auf magischem Wege zu bewegen, der Kombination aus "Kal Por Ylem" und "Vas Rel Por" .
Ich muss gleich im Vorfeld anmerken, dass sich mein Wissen hier nur auf die Theorie beschränkt, praktische Erfahrungen kann ich erst sammeln, wenn ich meine Ausbildung abgeschlossen habe.

Wie bereits angekündigt, gibt es hier also zwei Komponenten. Zum einen den "Vas Rel Por" , der sich vom "Rel Por" formell nur durch die Vorsilbe "Vas" unterscheidet. "Vas" bedeutet soviel wie "gross", also eine Bewegung in grösserem Rahmen?

Um hier weiterzukommen, betrachten wir die zweite notwendige Komponente, den "Kal Por Ylem" . Rufe bzw. Bewirke, Bewegung oder bewege und Erde bzw. Materie ist die umgangssprachliche Übersetzung der Verba arcana. Der Zauber speichert sozusagen einen Punkt im Astralraum, eben das Äquivalent des Ortes, an dem sich der Zaubernde befindet, in einen magischen Runenstein, da man ja zur Zeit, an der man diesen Spruch spricht, noch nicht reisen möchte. Die Auslösung des Bewegungszaubers erfolgt dann durch den "Vas Rel Por" , welcher auf den Runenstein gesprochen wird. Nun vermischen sich die Energie des gespeicherten Spruches mit der des eben gewirkten. Dies ist der Punkt, an dem sich nach van Grolk die Ebene der Energie auffaltet und ein magisches Tor als Verbindung zum Zielort "durchstösst". Als Reagenzien kommen unter anderem noch die schwarzen Perlen hinzu. Schwarze Perlen werden hier benötigt für die Reise durch den Energieraum, übrigens der Grund, warum man mit dem Spruch auch grösste Entfernungen sowie Hindernisse wie Wasser und massiven Fels überwinden kann.

Abschnitt II: Die magischen Mondtore:

Wer kennt sie nicht, diese seltsamen, blau leuchtenden Gebilde, welche sich überall verstreut in der Welt befinden? Im Gegensatz zu den relativ neu geschaffenen magischen Steinen, welche zum Beispiel die Insel Pantagruel und die Stadt Britain verbinden, liegen die Mondtore meist abseits der grossen Reiserouten, was vermuten lässt, das sie noch aus einer Zeit stammen, an denen Strassen und Städte nicht so lagen, wie sie es heute tun. Erschaffen wurden diese Tore einst von einer Gemeinschaft aus Elfen, Zwergen und Menschen. Neben der Möglichkeit zur schnellen bequemen Bewegung waren sie auch ein Zeichen für die grosse Macht, die dieser Gemeinschaft entsprang.

Durch ihre versteckte Lage sind heute viele der Tore nahezu in Vergessenheit geraten. Auch ich bin eher durch Zufall auf eines gestossen, was dann mein Interesse geweckt hat.
Wenn es gelänge, dieses alte Reisesystem wieder in vollem Umfang zu nutzen, wäre dies sicherlich zum einen ein hervorragendes schnelles Transportmittel und zum anderen ein erneutes Zeichen für die Stärke unserer magischen Gemeinschaft.
Leider ist die Benutzung nicht mehr so einfach und frei von Gefahren, wie sie es in alten Zeiten wohl war.

Zunächst einmal ist es nicht vorherzusagen, wohin ein Mondtor führt. Wenn man eins durchschreitet, kommt man zwar immer wieder an einem heraus, allerdings kann man nicht beeinflussen an welchem. Vielleicht sollte ich lieber sagen "Nicht mehr", denn vermutlich ist dieses Wissen verlorengegangen. Ich werde auf jeden Fall auch weiterhin versuchen, dieses Rätsel zu entschlüsseln.

Sicher ist, dass die Magie, die in den Toren wirkt, eine vergleichbare ist wie die des "Vas Rel Por" . Nur woher kommt diese Energie? Meine Nachforschungen lassen zwei Vermutungen zu: Zum einen könnte ein Teil der Kraft aus dem Boden, auf dem die Tore stehen, stammen. Ein Zeichen dafür wäre, dass oftmals rund um ein Mondtor der Boden vertrocknet ist und dort keine Pflanzen wachsen.

Wahrscheinlicher aber ist, dass die Energie, und daher der Name, des Nachts vom Mondschein kommt. Gesammelt wird diese Energie offenbar in einem Kreis aus Steinen, die in der Regel rund um ein Mondtor stehen. Allerdings habe ich auf meinen Reisen beobachtet, dass an manchen Toren die Steine fehlen. Dienten sie früheren Siedlern als Baumaterial?

Tatsächlich habe ich in der Hafenmauer Magincias eher zufällig einen Stein entdeckt, der von Resten alter Schriftzeichen bedeckt ist. Schmiererei eines Baumeisters oder tatsächlich ein Fokusstein eines Mondtores?

Leider sind die Zeichen durch nachträgliche Bearbeitung des Steins unleserlich geworden, wie mir ein herangezogener zwergischer Spezialist erklärte.
Auf jeden Fall könnte ein Fehlen der Steine der Grund sein, dass die Reise mit diesen Toren recht zufällig erfolgt.

Weitere Nachforschungen ergaben, dass die Tore lange Zeit trotz fehlender Steine weiterhin mit wenigen Ausnahmen funktionierten. Erst vor etwa einen Jahrzehnt trat die Unzuverlässigkeit wie wir sie heute kennen auf. Zeitgleich, so erfuhr ich, beobachtete ein Astronom, dass sich die Bahn des Mondes Trammel leicht verschoben hat. Lies dies das alte Mondtorsystem völlig zusammenbrechen?
Die Fehlfunktion scheint also auf einem Zusammenwirken von geänderter Mondbahn und dem Fehlen einiger Fokussteine zu beruhen.

Ich habe lange Zeit Versuche mit diesen Toren gemacht. Ich habe Tiere hindurchgeschickt und bin auch selbst viel mit ihnen gereist. Dabei habe ich zwei Erkenntnisse gewonnen:
Es kommt manchmal vor, das ein Tor den Reisenden offenbar festhalten will. So habe ich eine ganze Nacht gebraucht, um von einer unbewohnten Insel herunterzukommen. Immer wieder warf mich das Tor zurück, bis es in den frühen Morgenstunden doch schliesslich klappte. Musste sich das Tor im Mondlicht erst wieder aufladen?
Weiterhin habe ich bis auf gelegentliche leichte Kopfschmerzen keine unangenehmen Nebenwirkungen feststellen können.

Zusammenfassung:

Der "Rel Por" ist aufgrund seiner Einschränkungen eher weniger zur wirklichen Fortbewegung geeignet. Hier ist der "Vas Rel Por" aufgrund der grossen Reichweite vorzuziehen. Nachteilig ist nur, dass man sich zuvor mindestens einmal an dem Ort befunden haben muss, zu den man reisen möchte, und zum anderen, dass man tunlichst nicht die Runensteine verwechseln sollte, sonst kann es böse Überraschungen geben. Aber für alle die, denen die Postkutschen und Schiffe des Landes zu langsam und unbequem sind, sind eben auch die Mondtore gut geeignet. Ein weiterer Vorteil ist, dass man nicht einmal des Zauberns mächtig sein muss, um sie benutzen zu können. Nachteilig ist hier nur ihre Lage und die Unzuverlässigkeit.

Ausblick:

Im weiteren Verlauf meiner Studien werde ich den "Vas Rel Por" auch auf praktischem Wege untersuchen. Ich will Versuche anstellen, ob es Materialien oder bestimmte Einflüsse gibt, die seine Bewegung stören. Weiterhin will ich den "Vas Rel Por" auch ganz gezielt an den Stellen untersuchen, an denen sich Mondtore befinden. Wird er störungsfrei gelingen oder gibt es doch noch einen anderen Grund, der für die Fehlfunktion der Mondtore sorgt und der auch den "Vas Rel Por" stört?

Anhang: Literatur

Grundlagen:

"Die Worte der Macht" von Vega Craven, Akademie der arkanen Künste zu Pantagruel, Fachbereich Grundlagen der Magie

"Reagenzien" in zwei Bänden von Vega Craven, Akademie der arkanen Künste zu Pantagruel, Fachbereich Grundlagen der Magie

[1] "Von Reisen in fremde Dimension" von Daedalus, Akademie der arkanen Künste zu Pantagruel, Bibliothek

[2] "Das Buch des Wassers" von Fui Nuri, Akademie der arkanen Künste zu Pantagruel, Fachbereich Naturmagie

[3] "Van Grolksche Reisetheorie" von Revil van Grolk, Akademie der arkanen Künste, Bibliothek