Das rituelle Aufspüren - Vega Craven

(Vega Craven)

1.) Vorwort

Was einen Magier von "gewöhnlichen Menschen" unterscheidet ist die Gabe sich die Energien des Astralraums zu Nutze machen zu können. Der Astralraum ist eine Art Paralleldimension unserer Welt, in der es jedoch keinerlei physische Elemente gibt. Es ist die Welt der mystischen Energien und der Lebensraum der Geister. Wirkt ein Magiebegabter einen Zauber, so macht er sich genau diese Energien, das sogenannte Mana, zu nutze, beschwört er ein Elementar, so ruft er selbiges aus den Tiefen des Astralraums zu sich. Verschiedenen Forschungen zufolge lässt sich der Astralraum in verschiedene Ebenen unterteilen, aber das soll uns während dieses Vortrages nur peripher tangieren. Klar ist inzwischen, dass es begabten Magiern möglich ist, ihren Geist vom Körper zu lösen und in den Astralraum vorzudringen. Diese Fähigkeit erweisst sich bei verschiedensten Ritualen als äusserst hilfreich. Dabei darf man aber die Gefahren nicht ausser Acht lassen, die von diesem Vorgang ausgehen. Es ist gut möglich, dass man auf seiner Reise einem bösartigen Geist begegnet und von ihm angegriffen wird, oder sich verirrt und nicht wieder zurück zu seinem Körper findet, was in den sicheren Tot bedeutet. Neulinge auf diesem Gebiet sollten sich also damit zufrieden geben ihre Ausflüge möglichst kurz zu gestallten.
Die Wahrnehmung auf der Astralebene unterscheidet sich in einigen Punkten von der weltlichen. Formen und Konturen sind zu erkennen, es wird also für den Magier kein Problem sein, sich nach dem Wechsel zurechtzufinden. Er kann sich zum Beispiel wie gewohnt durch sein Haus bewegen, auch wenn die meisten Personen anfangs einige Schwierigkeiten damit haben ihre Fähigkeit zu schweben und die Geschwindigkeit, mit der sie sich plötzlich bewegen können, unter Kontrolle zu bringen. Das ist allerdings nicht weiter schlimm, solange man nicht vollkommen die Orientierung verliert und seinen Körper nicht mehr findet. Bei seinen Bewegungen wird der Magier rasch feststellen, dass er sich durch gewisse weltliche Hindernisse hindurchbewegen kann, als wären sie nicht vorhanden, während in lebendige Materien, wie die Erde oder ein Baum weiterhin unsanft stoppen werden.
Das erste was den meisten auffällt ist die Farbenpracht, in der die Welt um sie herum plötzlich erscheint. Diese Farben haben eine starke Aussagekraft, über die Stimmung und die Gefühle, die an einem Ort herrschen, oder geherrscht haben. So wirken Orte, an denen sich Gewalt abgespielt hat, meist farblos und düster. Orte, an denen sich Freude und Glück ereignet hat, erscheinen farbenfroh und hell. Ein Magier, der sich an einem Ort befinden, an dem er noch nie zuvor gewesen, wird anhand der Farben einige Anhaltspunkte dafür finden können, wo er, beziehungsweise sein Geist, ist oder einige Informationen sammeln zu könne, anhand derer der Ort im Nachhinein identifiziert werden kann.
Als abschliessende Bemerkung zu dem Thema "astrale Wahrnehmung und Projektion" möchte ich noch darauf hinweisen, dass es einem Magier auf der Astralebene nicht möglich ist, weltliche Buchstaben zu entziffern. Es wird also niemandem gelingen ein Türschild, oder einen Strassennamen zu lesen. Die Gründe für diese Unannehmlichkeit ist bisher nicht bekannt.

2.) Einleitung

Bei rituellem Aufspüren handelt es sich um ein Verfahren, bei dem eine Person oder ein Gegenstand mit Hilfe eines magischen Rituals lokalisiert werden kann. Dazu wird eine Probe des entsprechenden Materiales, beziehungsweise ein Gegenstand benötigt, der mit der gesuchten Person in Verbindung steht. Bei Versuchszwecken reichte schon ein einzelnes Haar, oder ein Hautfetzen, wobei die besten Ergebnisse mit Blut erzielt wurden.
Das Ritual ist sehr Zeit- und Kraftaufwendig, da der ausführende Magier seinen Geist vom Körper lösen muss um in den Astralraum vordringen zu können und danach eine geraume Zeit dort verbringen muss. Erfahrene Kollegen werden sich damit lange nicht so schwer tun, wie Lehrlinge, aber dennoch ist die gleiche Quantität an Mana und Konzentration nötig. Die dazu benötigte Astralenergie kann auch von den Mitgliedern einer Ritualgruppe geliefert werden, aber die Suche bleibt stets einer einzigen Person vorbehalten. Beim Zeitaufwand muss man je nach Anzahl und Macht der mitwirkenden Magier von zwei bis vier Stunden rechnen.
Das benötigte Material für das Ritual erhält man in jedem gut sortierten Magieladen. Bei Versuchen wurden eine kleine Schale aus Platin, ein wenig frisches Blutmoos, einige Kerzen, ein Lederbeutel und eine Alraune verwendet. Es lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, dass das die ideale Zusammenstellung ist, aber von allen Kombinationen, die ausprobiert wurden, erwies sich diese als die wirkungsvollste.
Das Ritual ist nur für Personen geeignet, die bereits Erfahrungen mit astraler Wahrnehmung und astraler Projektion gesammelt haben. Allen anderen sei strikt davon abgeraten es dennoch zu versuchen, da sie es leicht mit dem Leben bezahlen könnten.

3.) Das Ritual

Zum Ausführen des Rituals sollte zunächst ein geeigneter Ort gefunden werden, der ein möglichst starkes, magisches Potenzial haben sollte. Dort muss ein Pentagramm von genau einem Meter Durchmesser markiert werden. Dies geschieht möglichst mit dem Wachs einiger Kerzen, oder mit Steinen. Abschliessend werden an allen Kardinalspunkten Kerzen platziert und angezündet. Eine rote für das Feuer, eine braune für die Erde, eine dunkelblaue für das Wasser, eine hellblaue für die Luft und eine weisse für das Licht. In die Mitte des Pentagramms wird die Schale gestellt. Das Moos muss sich unter der Schale befinden und in direktem Kontakt zu ihr sein. Der Platz sollte vorher einer groben Säuberung unterzogen werden und gross genug sein, damit sich die Ritualgruppe, oder der einzelne Magier in etwa zwei Meter Entfernung von der mittig platzierten Schale niederlassen können. Gruppen sollten sich grundsätzlich im Kreis um das Pentagramm formieren, im Idealfall an jedem Kardinalpunkt einer. Die Alraune wird zur Hälfte zermalen und zusammen mit der Ritualprobe in einen kleinen Lederbeutel gegeben, der wiederum in die Schale gelegt wird. Abschliessend muss der Beutel mit etwas Wachs versiegelt werden.
Die nächste Phase des Rituals besteht grösstenteils aus Meditation, um Energien für das Verlassen des Körpers zu kanalisieren. Über diese gibt es kaum etwas zu berichten, da man einem magisch begabten Menschen nicht erklären muss, was bei einer Meditation vorgeht und es kaum möglich ist, es einem nicht magisch begabten zu erklären. Einfach ausgedrückt ist es eine vollkommene Entspannung von Geist und Seele, während der man das Mana durch seinen Körper fliessen lässt und es entweder speichert, oder wie in unserem Fall auf das Pentagramm weiterleitet. Sobald genügend Energien vorhanden sind, spreche der exekutive Magier die Worte "In Rel Mani", was wörtlich übersetzt soviel bedeutet wie "Verursache einen Wechsel des Lebens", und löse seinen Geist vom Körper. Sobald die astrale Wahrnehmung vorhanden und die anfängliche Verwirrung, die bei diesem Vorgang meist auftritt, überwunden ist, muss der Magier mit der Untersuchung der Ritualprobe beginnen.
Er muss das Manageflecht, das sich um den Beutel herum befindet, soweit entflechten, dass er die Verbindung der Probe und seinem Ursprung sondieren kann. Das eben genannte Geflecht kann man sich am besten mit dem Beispiel von Fäden verbildlichen, die ineinander verknotet sind und allesamt in unterschiedliche Richtungen führen. Die geistige Verbindung zum gesuchten Ziel manifestiert sich meistens in Form eines dünnen, weissen Lichtfadens, der sich vom Zentrum des Pentagramms in die Ferne zieht. Diesem ist zu seinem Ursprung zu folgen, wobei die Grenzzeit für das Zurückkehren in den Körper unter keinen Umständen überschritten werden sollte. Diese beträgt etwa eine Stunde. Auf Grund der Tatsache, dass man im Astralraum nicht in der Lage ist, eine Karte oder ein ähnliches Hilfsmittel zu benutzen, muss man sich an seiner Umgebung orientieren. Kennt man sich in der Gegend gut aus, wird man später keine Probleme damit haben, den Ort zu identifizieren, an dem man sein Ziel aufgespürt hat. War der Magier noch nie zuvor an diesem Ort, sollte er möglichst viele Hinweise sammeln, anhand derer der Ort später identifiziert werden kann und sich den Weg zu diesem Ort besonders gut einprägen, um ihn auf der physischen Ebene wiederfinden zu können. Ausserdem kann es passieren, dass die geistige Verbindung zum Ziel abbricht und der Magier sich nicht mehr anhand des Lichtfadens orientieren kann.
Die letzte Phase des Rituals besteht lediglich darin in seinen Körper zurückzukehren. Mit der Rückkehr ist das Ritual beendet. Die Ritualprobe wird dabei aus bisher unbekannten Gründen nutzlos.